Biografie: Ein Spiel

von Max Frisch
 

Was ist denn nun eigentlich das Leben? Ein geregelter Verlauf, der bestimmten Gesetzmässigkeiten folgt? Eine Aneinanderreihung beliebiger Zufälle? Ein Schicksal, das wir immer wieder selbst beeinflussen können? Max Frisch haben diese Fragen zeitlebens beschäftigt. Im Stück nähert er sich diesen Fragen mit einem Spiel in Form einer Show.

«Wo, Herr Kürmann, möchten Sie nochmals anfangen, um Ihre Biografie zu ändern?», fragt der Spielleiter den Protagonisten. Und wer wünscht sich das nicht? Einmal das Leben anhalten, von vorne beginnen und seine Biografie ändern. Der Hauptfigur Hannes Kürmann wird diese Möglichkeit geboten: Vor allem die erste Begegnung mit seiner Ehefrau Antoinette scheint für Kürmann ein zentraler Moment seiner Biografie zu sein, den er im Nachhinein gerne vermieden hätte. Doch wohin führt Kürmann dieser Versuch? Wie wäre sein Leben ohne Antoinette verlaufen? Kann er sein Leben rückblickend optimieren? Oder bleibt er in gewohnten Verhaltensmustern und Verstrickungen hängen?

«Hans Löw, der die schmierigen Elegiker so grossartig spielen kann wie die traurig Durchtriebenen, ist dieser Kürmann. Man weiss früh: Hier steigt einer gerne ins Spiel, weil er sich von vornherein als Sieger bestimmt. Löw parliert mit beinah tänzerischer Arroganz, um mit leichtathletischer Noblesse die Weichen seiner Vergangenheit in ein genehmeres Morgen zu stellen. Verliert sich aber zunehmend nervöser, bebender an die Unabänderlichkeiten. Toll selbstsicheres Ausrollen des Egoteppichs, um patschig ins Stolpern zu kommen. Judith Hofmann als Frau, die hinausgelebt werden soll aus dieser Ehe, geht den umgekehrten Weg: eine Fremdbestimmte, die am Spiel-Schluss jene Freiheitsentscheidung trifft, vor der Löws Kürmann so aufgeladen einknickte. Helmut Mooshammer vervollständigt das Trio: ein hauchfein diabolischer Spielleiter, der mit zynischem Witz alle Hybris kommentiert, sich in der eigenen Biografie frei bewegen zu wollen. Weil das nicht geht, erzählt Frischs Stück auch von den Mühen, dem Leben, so wie es lief, einen Sinn anzudichten, den es nie hatte.» Neues Deutschland

Fotos © Arno Declair