Die Orestie

Trilogie von Aischylos
 

Besonnenheit statt Rache, Demokratie statt Willkürherrschaft, Rechtsprechung statt Affekte – all diese vielbeschworenen «westlichen Werte» haben ihren Ursprung in der griechischen Antike. Aischylos erzählt von der Emanzipation des Menschen von göttlicher Willkür. Die Tragödie zeigt, dass Recht und Demokratie nicht selbstverständlich sind. Ob als Familie oder als Gesellschaft: Jede funktionierende Gemeinschaft ist von der Fähigkeit zur Vergebung abhängig.

458 v. Chr. verfasst Aischylos eines der Schlüsselwerke europäischer Zivilisation. In einer Zeit des demokratischen Aufbruches beschreibt der Tragödiendichter den politischen Wandel Athens anhand des mythischen Atridenfluches: Der Heerführer Agamemnon kehrt siegreich aus dem Trojanischen Krieg zurück. Klytaimnestra tötet ihren Mann, weil er vor dem Feldzug die Tochter Iphigenie opferte. Orestes und Elektra rächen ihren Vater, indem sie ihre Mutter und deren Geliebten Aigisthos umbringen. Nur die Göttin Pallas Athene kann diesen blutigen Kreislauf aus Gewalt und Rache durchbrechen.

Mit diesem Schwergewicht der europäischen Drama-Literatur setzt das Theater Winterthur seine Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Bochum und seinem wunderbaren Ensemble fort. In dieser Neuinszenierung gibt es für die Winterthurer Zuschauer ein Wiedersehen mit Werner Wölbern («Der Weibsteufel»).

Fotos © Birgit Hupfeld