Hieronymus B.

Tanz durch Hölle und Paradies von Nanine Linning
 

«Virtuos verbeissen sich ein schwarzer und ein weisser Tänzer ineinander, halten in grotesken Bildern inne. Wer den Tanz als Kunst der Bewegung, nicht der Kostümierung liebt, freut sich über diese Befreiung des Körpers, auch wenn er immer wieder zu Boden gedrückt oder wie von Hieben aufgepeitscht wird, auch wenn ihn Linning ins Hohlkreuz zwingt und verwindet.» Stuttgarter Nachrichten

Die Bildwerke des Malers Hieronymus Bosch betören und erschrecken zugleich: monströse Fabelwesen durchstreifen die Welt unter loderndem Himmel und vollenden der Menschen dunkles Schicksal. Im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance bannte Bosch die Hoffnungen und Ängste seiner Mitmenschen in eine faszinierende Farbigkeit und legte Zeugnis ab von der Zerrissenheit des menschlichen Seins – eines Seins in Zeiten des Wandels zwischen den Trümmern des Vergangenen und der Dämmerung einer ungewissen Zukunft. Die Bewunderung für Boschs Werke, ihre mystische Symbolkraft und packende Sinnlichkeit ist auch heute noch ungebrochen. Sie entlarven die Welt als «Garten der Lüste» oder Schiff voller Narren, doch auch jenseits religiöser Motivik und der sieben Todsünden ist der Mensch in seiner Verletzlichkeit und Körperlichkeit allseits präsent.

Heidelbergs Tanzchefin Nanine Linning ist fasziniert von diesen Welten: Den 500. Todestag Hieronymus Boschs im Jahr 2016 im Blick, katapultiert sie Boschs Kosmos ins Hier und Jetzt. Prachtvolle Unterstützung erfährt das Vorhaben durch das opulente Bühnen- und Kostümbild von Les Deux Garçons. Die vielseitige und experimentierfreudige Kunst des niederländischen Duos vermag die ambivalenten Visionen des Malers faszinierend aktuell zu übersetzen.

Nach einem kleinen Appetizer im Rahmen des Programms «Infinity» von Gauthier Dance kommt nun endlich eine abendfüllende Choreografie, um nicht zu sagen ein abendfüllendes Gesamtkunstwerk des niederländischen Shootingstars nach Winterthur!

Fotos © Kalle Kuikkaniemi