Kleiner Mann – was nun?

nach dem Roman von Hans Fallada in einer Bühnenfassung von Hakan Savaş Mican
 

Dem Regisseur Hakan Savaş Mican gelang eine hochemotionale musikalische Erzählung vom Kampf um Würde in Zeiten des Ausnahmezustands. Bereits zum zweiten Mal präsentiert das Theater Winterthur eine hochgelobte Produktion des Berliner Maxim Gorki Theaters im Rahmen des Festivals «Winterthur fliegt».

Alles beginnt wie im Märchen, einem Märchen in düsteren Zeiten. Der Angestellte Johannes Pinneberg verliebt sich in Emma, die Tochter eines Arbeiters. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Er nennt sie «Lämmchen», sie ihn «Junge». Lämmchen wird schwanger, sie heiraten, ziehen an den Rand einer kleinen Stadt und versuchen, mit seinem schmalen Gehalt durchzukommen. Als Pinneberg seine Arbeit verliert, müssen sie losziehen, wie tausend Andere auch, dorthin, wo es Arbeit gibt und ein selbstbestimmtes Leben möglich ist. Berlin scheint für die beiden ein Glücksversprechen, denn hier kann sicher jeder durchkommen, wenn er nur fleissig, ehrlich und arbeitsam ist. Pinneberg bekommt eine Stelle als Verkäufer im Warenhaus Mandel, doch die Zeiten werden härter und der Druck auf ihn und sein Lämmchen wächst.

Falladas 1932 erschienener Roman beschreibt ein kleinbürgerliches Milieu und eine Zeit des Übergangs, in der sich die kommende Katastrophe bereits ahnen lässt. Die Geschichte eines kleinen und sehr geduldigen Angestellten wird erzählt, der nicht aufzubegehren imstande ist, dessen Faust in der Tasche bleibt, der durch eine Welt des Schwindels taumelt und sich hilflos an das Einzige, was scheinbar haltbar ist, klammert: eine Liebe, eine Frau, ein Kind, sein bedrohtes Glück.

Fotos © Ute Langkafel