Liliom

nach Ferenc Molnár
 

Seit über 20 Jahren macht sich das Theater Marie aus dem Kanton Aargau mit innovativen Produktionen einen Namen. Mit der Inszenierung dieses Singspiels, voll von Volksliedern, die den Ausbruch behaupten und die Figuren trotzdem immer wieder auf ihre Unbeweglichkeit zurückwerfen, ist das Theater Marie erstmals zu Gast im Theater Winterthur.

Liliom arbeitet auf dem Rummelplatz als Ausrufer und macht der jungen Julie schöne Augen. Das passt seiner Arbeitgeberin Frau Muskat gar nicht, und Liliom verliert seinen Job. Aus Kummer über seine Arbeitslosigkeit und um seine Verletzlichkeit zu verbergen, schlägt Liliom Julie, deren Lage sich noch verschlimmert, als sie schwanger wird. Da kommt Ficsurs Vorschlag zu einem Raubüberfall wie gerufen. In seiner Euphorie verzockt Liliom die Beute allerdings bereits vor der Tat. Der Raub misslingt, und Liliom kann die Schulden nicht begleichen. Er sieht keinen anderen Ausweg als den Selbstmord. Im Himmel erwartet ihn ein Gericht, das ihm die Chance geben will, seine Untaten mit einer guten Tat wieder gutzumachen. Liliom sträubt sich aber gegen diese Art von Reue.

Mit dem neuen und aus Winterthur stammenden künstlerischen Leitungsteam bestehend aus Patric Bachmann und Olivier Keller (Regie und Dramaturgie), sowie dem Musiker Pascal Nater, bietet sich uns die wunderbare Gelegenheit, diese jungen und motivierten Theatermacher mit einer Koproduktion in ihrer Heimatstadt zu präsentieren.

Molnárs «Liliom» wurde auf deutschsprachigen Bühnen oft inszeniert, in der deutschen Übersetzung von Alfred Polgar aus dem Jahre 1912. Für die Inszenierung von Theater Marie hat der schweizerisch-ungarische Autor Joël László das ungarische Originalstück als Grundlage für seine Neuübersetzung genommen und hat dessen rauen Ton eingefangen.

Joël László schreibt Theaterstücke und Prosa, arbeitet als Übersetzer und ist Poolmitglied von Theater Marie. Zusammen mit Ariane Koch schrieb er für Theater Marie die Kurzstück-Sammlung «Zukunft Europa». Er hat Islamwissenschaft und Geschichte studiert. 2013/14 nahm er am Förderprogramm «Dramenprozessor» am Theater Winkelwiese Zürich teil. Mit seinem Stück «Wiegenlied für Baran» war 2016 er Teilnehmer an der Langen Nacht der neuen Dramatik an den Münchner Kammerspielen, wo er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. 2007 und 2013 erhielt er Werkbeiträge des Aargauer Kuratoriums.

 

Fotos © Andreas Zimmermann