Malaga

Stück von Lukas Bärfuss
 

Lukas Bärfuss, einer der wichtigsten Schweizer Autoren der Gegenwart, erzählt in «Malaga» eine grosse und aktuelle Geschichte von Schuld, Verantwortung und Schicksal. Viele Mittvierziger werden die Problematik durchaus wiedererkennen.

Vera und Michael stehen kurz vor der Scheidung. Keine gute Voraussetzung für eine Diskussion darüber, wer am bevorstehenden Wochenende auf die gemeinsame Tochter aufpassen soll. Denn die hauptamtliche Babysitterin ist krank. Und Michael, der eigentlich an der Reihe wäre, muss nach Innsbruck verreisen: zu einem wichtigen internationalen Ohrenheilkunde-Kongress. Dass Vera ihrerseits bloss für ein reines «Kunstwochenende» nach Malaga fliegen möchte – und dann auch noch mit Paul, ihrem neuen Liebhaber – kommt Michael wie der pure Egoismus vor. Da beruhigt es ihn kaum, dass Vera ihm als Ersatz für die Babysitterin den jungen Alex vorschlägt, Sohn einer Bekannten und angehender Filmstudent in New York. Ganz im Gegenteil: Ausser sich vor Ärger verliert er sich in Begründungen dafür, dass Männer in Alex’ Alter für alle erdenkbaren Perversionen und Verbrechen prädestiniert wären, nur für eines nicht: die Betreuung eines siebenjährigen Kindes.

Was als augenzwinkernd leichte Gesellschaftsstudie über die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf zweier Selbstverwirklicher beginnt, nimmt mit dem Auftreten des unberechenbaren Babysitters Alex unversehens eine dramatische Wendung.

Fotos © Judith Schlosser