Noetic/Icon

Zwei Choreografien von Sidi Larbi Cherkaoui
 

Die GöteborgsOperans Danskompani zählt zu den führenden Tanztruppen in Europa. Für die Compagnie hat Sidi Larbi Cherkaoui zwei extrem unterschiedliche Werke kreiert, die zur Eröffnung des Tanzfestivals STEPS in Schweizer Erstaufführung zu sehen sind. Geometrisch kühle Perfektion zum einen und sehr sinnliches, erdverbundenes Schaffen zum anderen versprechen einen spannenden Tanzabend voller fantastischer Gegensätze.

Mit «Noetic» geht Sidi Larbi Cherkaoui den vielen kleinen, aber bedeutenden Widersprüchen der menschlichen Natur auf den Grund. Einerseits versucht der Mensch jedes Detail seiner Existenz zu ordnen und zu strukturieren, verspürt zeitgleich aber ein unbändiges Verlangen nach einem Ausbruch aus den Regeln des Alltags, um Neues zu entdecken. Kraftvolle und sehr expressive Bewegungen stehen im Kontrast zu den Stahlgebilden des international bekannten bildenden Künstlers Antony Gormley, die von den Tänzern immerzu in zahlreiche geometrische Formen gebracht werden. Die Noetik, eher eine Grenzwissenschaft, wird auch als Brücke zwischen Denken und Wissen beschrieben – Wahrnehmung und Bewusstsein stehen im Zentrum. Sphärische Musik, aber auch die Stimmen der Tänzerinnen und Tänzer stimmen uns auf eine Forschungsreise des Geistes ein.

Während dieses erste Stück insgesamt wie ein Exkurs in die Welt der Metaphysik erscheint, appelliert «Icon» im wahrsten Sinne des Wortes an unser körperliches, sinnliches Sein: In diesem Werk spielen 3,5 Tonnen Lehm eine nicht unwichtige Rolle! Thematisch befasst sich der Choreograf mit unserer Beziehung zu Ikonen, wie wir sie entstehen lassen, wertschätzen, um sie beim nächsten Trend bald wieder zu zerstören und durch neue Ikonen zu ersetzen. Für «Icon» kooperiert die grösste institutionelle zeitgenössische Tanzcompagnie Skandinaviens mit Cherkaouis eigenem, freischaffend wirkendem Ensemble Eastman. Kombiniert wirken diese zwei Stücke wie zwei Seiten einer Medaille und ergänzen einander in ihrer Unterschiedlichkeit perfekt

Fotos © Bengt Wanselius / Mats Bäcker