WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF?

Schauspiel von Edward Albee
 

Der Titel klingt heiter, aber hinter dieser scheinbaren Harmlosigkeit verbirgt sich das volle Chaos menschlicher Beziehungen: Ohne Wissen ihres Ehemanns George hat Martha den neuen Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey in ihr Haus eingeladen. George, Geschichtsdozent am hiesigen College, kennt die Gesellschaftsspiele seiner Ehefrau Martha nur zu gut. Als Tochter des Rektors besitzt sie Macht und Einfluss und liebt es, mit den Gefühlen anderer zu spielen. Doch an diesem Abend ist alles anders und das Spiel eskaliert.

Auf einem Spiegel in einer Bar in Greenwich Village hatte der mehrfach mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Autor die Worte entdeckt: «Who’s Afraid of Virginia Woolf?» Eigentlich sollte der Titel seines neuen Dramas «The Exorcism» heissen. Und um eben eine solche Austreibung ging es Edward Albee bei seiner legendären Afterparty von Martha, George, Nick und Honey. Verfilmt mit Elizabeth Taylor und Richard Burton gilt das Stück, das 1962 in New York uraufgeführt wurde, als Klassiker der Moderne.

«Bibiana Beglau, die in der ’Theater heute’- Kritikerumfrage unlängst zur ’Schauspielerin des Jahres’ gekürt wurde, trifft souverän jeden Ton. Sie faucht giftig, brüllt und keift lustvoll ordinär als tyrannische Verführerin und ewige Vatertochter Martha, deren Sehnsüchte und deren Kinderwunsch unerfüllt blieben, senkt im nächsten Augenblick die Stimme mit würgender Traurigkeit. Sie buhlt tief verletzend und verletzt um ihren Mann, sackt nach ihrem misslungenen Akt mit Nick in sich zusammen zur Elendsgestalt, richtet sich abrupt wieder herrisch auf, um auf diesem herumzutrampeln.» — Nachtkritik

Fotos © Andreas Pohlmann